Arbeitstreffen zu Rechtsextremismus in Deutschland und Tschechien

IDA hat in Kooperation mit dem Koordinierungszentrum Deutsch-Tschechischer Jugendaustausch - Tandem vom 25. bis 27. Februar 2010 zum Arbeitstreffen „Die Rolle der deutsch-tschechischen Jugendarbeit in der Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus" nach Ústí nad Labem (Aussig) eingeladen.

Obwohl in der Denkweise deutscher Rechtsextremer Tschechinnen und Tschechen als „rassisch minderwertig" gelten müssten, da sie der 'ethnischen Gruppe' der Slawen angehören, kooperiert die deutsche rechtsextreme Szene zunehmend mit der tschechischen. Die Gemeinsamkeiten (ethnopluralistisches Denken, Antisemitismus, Antiziganismus) werden dabei in den Vordergrund gerückt. Außerdem profitieren beide Seiten von der grenzübergreifenden Vernetzung. So ist es in Tschechien häufig billiger, Konzerte zu veranstalten oder CDs zu produzieren, auch die rechtlichen Bestimmungen sind diesbezüglich in Tschechien weniger rigide. Für die tschechische Szene bedeutet eine Zusammenarbeit vor allem auch eine höhere Beteiligung an Kundgebungen und Aufmärschen. Auch eine zunehmende Orientierung am Stil und Outfit von deutschen Autonomen Nationalisten ist in Tschechien zu beobachten.

Wie kann die deutsch-tschechische Jugendarbeit der wachsenden grenzüberschreitenden Vernetzung der rechten Szene begegnen? Welche Rolle kann, ja muss die Jugendarbeit einnehmen? Um diese und andere Fragen zu diskutieren, versammelten Tandem und  IDA Fachleute zum Thema Rechtsextremismus und der internationalen Jugendarbeit zu einem Arbeitstreffen.

Mit der Diskussion der Frage, wie die internationale Jugendarbeit die Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus thematisch in ihre Arbeit einbeziehen kann, betraten Tandem und IDA Neuland. Zwar gibt es grenzüberschreitende pädagogische Angebote in der Erinnerungsarbeit ebenso wie mononationale Projekte gegen Rechtsextremismus, binationale Projekte unter Einbeziehung der internationalen Jugendarbeit fehlen aber bislang.  Auch der Tagungsort war nicht zufällig gewählt: Vor einem knappen Jahr fand in Ústí nad Labem ein „Gedenkmarsch für die Bombardierung Ústís" mehrerer Hundert tschechischer und deutscher Rechtsextremer statt, der erste Aufmarsch in Ústí nach 1945. Der Bürgermeister machte Negativschlagzeilen, indem er sämtliche geplante Protestkundgebungen verbot. 

Während des dreitägigen Arbeitstreffens informierten sich die Teilnehmenden gegenseitig über ihre Organisationen und entsprechende Projekte, erfuhren von externen Referentinnen und Referenten mehr über die rechtsextremen Strukturen in Deutschland und Tschechien und grenzüberschreitende Aktionen der rechtsextremen Szene und diskutierten in Kleingruppen, wie die Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus in der deutsch-tschechischen Jugendarbeit thematisiert werden könnte.

Ergebnisse des Treffens waren unter anderem, dass existierende Materialien und Programme in die deutsch-tschechische Jugendbegegnungsarbeit transferiert werden müssen und dass hierfür weitere Workshops und/oder Konferenzen sinnvoll wären, in denen Trainerinnen, Trainer und Jugendgruppenleiterinnen und Jugendgruppenleiter Konzepte entwickeln zur Implementierung des Themas in die internationale Jugendarbeit.

 

Weitere teilnehmende Organisationen:

djo - Deutsche Jugend in Europa

dsj Projekt „Sport! Jugend! Agiert!"

Pädagogik rund um das Dokumentationszentrum

People in Need

Sojka - Verein für Jugendarbeit

Stadtmuseum Ústí nad Labem