Netzwerk interkultureller Jugendverbandsarbeit und -forschung (NiJaf)

Am 02. November 2005 hat sich in Berlin das bundesweite Netzwerk interkultureller Jugendverbandsarbeit und -forschung (NiJaf) gegründet.

Selbstverständnis

Das NiJaf gibt sich die Aufgabe, die Jugendverbandsarbeit bei der interkulturellen Öffnung und deren Verankerung als Querschnittsthema innerhalb der Jugendverbände zu unterstützen. Im NiJaf haben sich VertreterInnen aus Jugendverbänden, ihren Dachorganisationen und Arbeitsgemeinschaften, Vereinen junger MigrantInnen, der Wissenschaft und Politik zusammengeschlossen.

Interkulturelle Öffnung der Jugendverbände impliziert sowohl die Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen mit familiärem Migrationshintergrund in die Angebote der klassischen Jugendverbände als auch die Einbindung der Vereine junger MigrantInnen in die Strukturen der Kinder- und Jugendarbeit.

Interkulturelle Öffnung der Jugendverbände - Ausgangslage

Die Öffnung der Strukturen der Jugendverbandsarbeit und der einzelnen Jugendverbände für Kinder und Jugendliche mit familiärem Migrationshintergrund ergibt sich aus dem Selbstverständnis der Jugendverbandsarbeit. Dies lässt sich mehrfach begründen:

Unter jugendpädagogischen Gesichtspunkten stellen die Jugendverbände in der Bundesrepublik Deutschland Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen Räume zur Verfügung, in denen unter Gleichaltrigen ihre individuelle Entwicklung zu selbstständigen und verantwortlichen Persönlichkeiten gefördert wird. Jugendverbände stellen somit eine institutionalisierte und aus jugendpolitischen und -pädagogischen Aspekten besonders förderungswürdige Form dar, in denen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ihre Interessen verwirklichen, demokratische Spielregeln lernen und Verantwortung übernehmen. Jugendverbände können gerade für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund eine wichtige Unterstützung sein. Als spezielle Form der Selbstorganisation und der Interessenvertretung von Kindern und Jugendlichen, die auf den Maximen der Ehrenamtlichkeit und Freiwilligkeit beruht, leisten Jugendverbände einen bedeutenden Beitrag zu zivilgesellschaftlichem Engagement.

Unter demokratietheoretischen und jugendpolitischen Aspekten ist die Arbeit von Jugendverbänden auf eine umfassende Partizipation an gesellschaftlichen Fragestellungen und Themen ausgerichtet. Partizipationsgerechtigkeit bedeutet für die Jugendverbände, dass alle Mitglieder der Gesellschaft gleiche und darüber hinaus gerechte Möglichkeiten zur Teilhabe besitzen. Dies impliziert, dass für diejenigen, die von Partizipationsmöglichkeiten ausgeschlossen sind, die Möglichkeit zur Teilhabe geschaffen werden muss. Die Ausweitung der Partizipationschancen von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund durch die interkulturelle Öffnung bedeutet damit für die Jugendverbände, den Anspruch umzusetzen, Interessenvertretung aller in der Bundesrepublik Deutschland lebenden Kinder und Jugendlichen zu sein. Das NiJaf tritt Ausgrenzungen und Diskriminierungen von Kindern und Jugendlichen aufgrund ihrer ethnischen oder kulturellen Herkunft, ihrer Staatsangehörigkeit, Religionszugehörigkeit oder sexuellen Identität sowie ihres rechtlichen Status entschieden entgegen. Um diese Ausschlussmechanismen und Ungerechtigkeiten zu bekämpfen, streben Jugendverbände das gemeinsame Engagement mit anderen AkteurInnen an und sind auf Förderung dieser Anliegen durch öffentliche Institutionen angewiesen.

Interkulturelle Öffnung der Jugendverbände - Definition

Die Mitglieder des NiJaf gehen von einem mehrdimensionalen Ansatz der interkulturellen Öffnung aus, der verschiedene Herangehensweisen und Möglichkeiten der Öffnung impliziert. Neben der Öffnung von bestehenden Jugendverbänden für Kinder und Jugendliche mit familiärem Migrationshintergrund sind auch die Öffnung von Verbänden als Dach für selbstständig organisierte Vereine junger MigrantInnen sowie die Kooperation mit und Unterstützung von Vereinen junger MigrantInnen wesentlicher Bestandteil der interkulturellen Öffnung. Neben der Öffnung der Jugendverbände für Mitglieder mit familiärem Migrationshintergrund stellen die Öffnung der Strukturen und Gremien der Jugendverbände weitere wesentliche Bestandteile einer umfassenden Öffnung dar.

Aufgrund der Pluralität der Jugendverbände, die mit unterschiedlichem Wertehintergrund, unterschiedlichen Zielgruppen und zu unterschiedlichen Themen und Aktionsgebieten arbeiten, müssen Konzepte der Öffnung so angelegt sein, dass sie der Vielfalt der Jugendverbandsarbeit Rechnung tragen.

Mit dem Anspruch der interkulturellen Öffnung der Jugendverbandsarbeit wird auch Bezug genommen auf die interkulturellen Lernprozesse, die in einer Einwanderungsgesellschaft und ihren Institutionen stattfinden müssen, um Ausgrenzungen, Diskriminierungen, Rassismus und Vorurteile zu verhindern.
Ziele und Aufgaben des NiJaf

Das NiJaf hat sich zum Ziel gesetzt, im Bereich der Jugendverbandsarbeit Initiativen zur Implementierung von Maßnahmen der interkulturellen Öffnung zu entwickeln und die einzelnen Akteure zu vernetzen.

Ziel des Netzwerks ist die Förderung der interkulturellen Öffnung der Jugendverbandsarbeit in der Bundesrepublik Deutschland.

Ein wesentlicher Bestandteil des Netzwerks ist die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Praxis im Feld der interkulturellen Öffnung. Eigenständige wissenschaftliche Untersuchungen zu Fragestellungen der interkulturellen Öffnung der Jugendverbandsarbeit liegen in den unterschiedlichen Disziplinen - von der Migrationssoziologie und -pädagogik bis zur Jugendverbandsforschung - bisher kaum vor. Wissenschaftliche Arbeiten, die sich mit der Praxis der interkulturellen Öffnung der Jugendverbandsarbeit beschäftigen, sollen durch die Zusammenarbeit angeregt und unterstützt werden. Dies bezieht sich vorrangig auf Praxisforschungsprojekte, insgesamt aber auf die gesamte Breite wissenschaftlicher und methodologischer Ansätze zum Thema. Die Forschungen sollen in die Praxis der Jugendverbände eingebunden werden, zur Weiterentwicklung der Praxis beitragen und Anstöße für neue Initiativen bieten.

Durch seine Arbeit will das NiJaf die Bedeutung der Thematik in den Blick rücken und dazu beitragen, dass die interkulturelle Öffnung der Jugendverbandsarbeit nachhaltig und angemessen gefördert wird.

Vorgehensweise des NiJaf

Für das NiJaf ergeben sich verschiedene Arbeitsgebiete:

Auf der Ebene der Praxis der Jugendverbände wird das NiJaf

  • Erkenntnisse und Ergebnisse aus bereits bestehenden interkulturellen Projekten und Initiativen diskutieren, austauschen und weitergeben,
  • Kontakte zu Jugendverbänden knüpfen, die sich interkulturell öffnen wollen, und diese in ihrem Vorhaben unterstützen.

Auf der Ebene der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der interkulturellen Öffnung der Jugendverbände möchte das NiJaf

  • wissenschaftliches Know-how zur Begleitung von Praxisprojekten zur Verfügung stellen,
  • anhand von gelungenen Projekten der Jugendverbände Anhaltspunkte und Empfehlungen für die interkulturelle Öffnung der Jugendverbandsarbeit entwickeln,
  • verschiedene Forschungsprojekte anregen:
  1. empirisch-quantitative Erhebungen zum Stand der interkulturellen Öffnung;
  2. empirisch-qualitative Erhebungen mit exemplarischem Charakter zu Aspekten der interkulturellen Öffnung;
  3. prozessbegleitende Praxisforschung aus der Perspektive der AkteurInnen.

Auf der politischen Ebene wollen die im NiJaf zusammengeschlossenen Organisationen und WissenschaftlerInnen

  • bei politischen EntscheidungsträgerInnen und Institutionen ein Bewusstsein für die Notwendigkeit der interkulturellen Öffnung der Jugendverbände und die Einbeziehung der Vereine jugendlicher MigrantInnen in die Kinder- und Jugendpolitik schaffen,
  • daraus resultierend sich für die angemessene Förderung der Aktivitäten der Jugendverbände im Bereich der interkulturellen Öffnung einsetzen.

Das NiJaf tritt in der Regel zweimal jährlich zusammen, um sich über den aktuellen Stand der interkulturellen Öffnung der Jugendverbände und der Begleitforschung auszutauschen. Es veranstaltet Fachtage, die einem über das NiJaf hinausgehenden Kreis aktuelle Arbeitsergebnisse präsentieren.

Teilnahme am NiJaf

Die Teilnahme am NiJaf steht allen interessierten Jugendverbänden, Zusammenschlüssen junger MigrantInnen und WissenschaftlerInnen, die im Feld der interkulturellen Öffnung der Jugendverbandsstrukturen tätig sind oder tätig werden wollen, offen.

Kontakt

Die Geschäftsführung wird derzeit vom Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit (IDA) e. V. wahrgenommen. Informationen über das NiJaf sind zu erhalten unter
Tel: 02 11 / 15 92 55-5
Fax: 02 11 / 15 92 55-69
Mail: info@IDAeV.de

Frankfurt/M., 17. April 2007

  • Andrea Adam (Saarbrücker Initiative Migration und Arbeitswelt SIMA und Katholische Hochschule für Soziale Arbeit Saarbrücken)
  • Gülsen Akyigit-Sevdiren (Doktorandin, Universität Bochum)
  • Mehmet Ata (DIDF-Jugend)
  • Johanna Bontzol (djo-Deutsche Jugend aus Europa)
  • Kirsten Bruhns (Deutsches Jugendinstitut e. V.)
  • Stephan Bundschuh (Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit e.V.)
  • Jutta Eichhorn (Projektbüro für zukunftsfähigen Gesellschaftswandel GmbH)
  • Benjamin Folkmann (Deutsche Sportjugend)
  • Thomas Hoffmann (djo - Deutsche Jugend in Europa)
  • Ansgar Drücker (Naturfreundejugend Deutschlands)
  • Birgit Jagusch (Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit e. V.)
  • Doris Klingenhagen (aej - Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in der Bundesrepublik Deutschland e. V.)
  • Dr. Susanne Lang (Universität Koblenz-Landau)
  • Daniel Mouratidis (Kreisjugendring Rems-Murr)
  • Albina Nazarenus-Vetter (Deutsche Jugend aus Russland e. V.)
  • Dr. Peter Nick (Sozialwissenschaftler)
  • Prof. Dr. Markus Ottersbach (Fachhochschule Köln)
  • Michaela Peters (Sportjugend Berlin)
  • Angelika Ribler (Sportjugend Hessen)
  • Katrin Riß (freie Diplom-Pädagogin)
  • Meral Sağdiç (Landesjugendring Baden-Württemberg e. V./Stadtjugendring Stuttgart e. V.)
  • Michael Schwarz (Bayerischer Jugendring)
  • Silvester Stahl (Universität Potsdam)
  • Susanna Steinbach (Kreisjugendring Rems-Murr e. V.)
  • Ernst Strohmaier (Deutsche Jugend aus Russland e. V.)
  • Hetav Tek (Vereinigung der Jugendverbände aus Kurdistan - Komciwan e. V. )
  • Prof. Dr. Andreas Thimmel (Fachhochschule Köln)
  • Julia Wältring (RdP/RDP - Ringverbände der Pfadfinderinnen und Pfadfinder)
  • Carina Weber (Deutsche Sportjugend)
  • Christian Weis (Deutscher Bundesjugendring)
  • Dr. Manfred Wittmeier (Hessischer Jugendring e. V.)

Das Selbstverständnis als PDF.


Fachtag

Termin: 11.11.2009
Ort: München (im Deutschen Jugendinstitut)

Die Interkulturelle Öffnung der Jugendverbände impliziert sowohl die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund an den Angeboten der Jugendverbände als auch die Einbindung der Vereine von Jugendlichen mit Migrationshintergrund (VJM) in die Strukturen der Kinder- und Jugendarbeit.
Ein wesentlicher Bestandteil des Netzwerks ist die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Praxis im Feld der interkulturellen Öffnung. Mittlerweile liegen einige eigenständige wissenschaftliche Untersuchungen zu Fragestellungen der interkulturellen Öffnung der Jugendverbandsarbeit in den unterschiedlichen Disziplinen - von der Migrationssoziologie und -pädagogik bis zur Jugendverbandsforschung - vor. Weitere wissenschaftliche Arbeiten, die sich mit der Praxis der interkulturellen Öffnung der Jugendverbandsarbeit beschäftigen, sollen durch die Zusammenarbeit angeregt und unterstützt werden. Dies bezieht sich vorrangig auf Praxisforschungsprojekte, insgesamt aber auf die gesamte Breite wissenschaftlicher und methodologischer Ansätze zum Thema. Die Forschungen sollen in die Praxis der Jugendverbände eingebunden werden können, um damit zur Weiterentwicklung der Praxis beizutragen sowie Anstöße für neue Initiativen zu bieten.
Durch die halbjährlichen Treffen wollen die Jugendverbände, Jugendringe, Institution und Personen, die das NiJaf bilden, den Austausch unter den Beteiligten über die Bedeutung der Thematik fördern und dazu beitragen, dass erfolgreiche Strategien und Projekte der interkulturellen Öffnung der Jugendverbandsarbeit nachhaltig in der Breite der Jugendverbandsarbeit umgesetzt werden können.

Tagungsmoderation: Dr. Stephan Bundschuh (IDA), Kirsten Bruhns (DJI), Ansgar Drücker (Naturfreundejugend Deutschlands)

Programm

09:30-10:00 Uhr Begrüßung, Verabschiedung des Protokolls, Beschlusskontrolle

10:00-11:00 Uhr Das soziale und politische Engagement von ethnischen Minderheiten und MigrantInnen im Kontext von Dominanz und sozialer Ungleichheit
(Dr. Chantal Munsch, Universität Kassel)

11:00-11:20 Uhr Pause

11:20-12:10 Uhr „2010-Wir haben grün": Projektvorstellung der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) zur interkulturellen Öffnung
(Boris Zimmermann, DPSG)

12.10-13.00 Uhr „TANDEM-Bildungsförderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund": Ein bundesweites Projekt der Evangelischen Jugend in Deutschland (aej) in Kooperation mit der Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit (BAG EJSA)
(Doris Klingenhagen, aej)

13.00-13.15 Uhr Terminabstimmung Frühjahrssitzung 2010 des NiJaf

13:15-14:15 Uhr Pause

14:15-15:00 Uhr Widerstände und Barrieren zur interkulturellen Öffnung - Hinweise aus Forschungsprojekten mit Studierenden an der Hochschule München
(Prof. Dr. Peter Nick, FH Kempten)

15:00-15:45 Uhr Wissenschaftliche Auswertung des Projekts „Interkulturell on Tour"
(Yasmine Chehata/Katrin Riss/Prof. Dr. Andreas Thimmel, FH Köln)

15.45-16:05 Uhr Tagungsbericht: „Integration von Vereinen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in die Strukturen der Jugend(verbands)arbeit". Eine gemeinsame Veranstaltung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF), des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und
Jugend (BMFSFJ) und des Deutschen Bundesjugendrings (DBJR) im Juni 2009
(Christian Weis, DBJR, Kirsten Bruhns, DJI)

16:05-17:00 Uhr Verschiedenes: Themen, Veranstaltungen etc.

Ort: Deutsches Jugendinstitut e. V. (DJI)
Nockherstr. 2
81541 München

Raum: Konferenzzone (Mit der Anmeldebestätigung wird eine Wegbeschreibung zugesandt)

Übernachtung: Es stehen Übernachtungsmöglichkeiten (Doppelzimmer) in der Jugendherberge München-Park zur Verfügung. Übernachtung und Verpflegung werden von den Förderern übernommen, Fahrtkosten werden nicht erstattet. Bei Anmeldung unbedingt angeben, ob Übernachtung gewünscht wird. Eine Wegbeschreibung wird anschließend zugesandt.

Weitere Infos und Anmeldung:
Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit e. V.
Volmerswerther Str. 20
40221 Düsseldorf
Tel: 02 11 / 15 92 55-5
Fax: 02 11 / 15 92 55-69
info@IDAeV.de; www.IDAeV.de

Der Fachtag wird gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ).

Der Flyer zur Tagung als PDF.