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„Kontinuitäten und neue Perspektiven“ – 30 Jahre Rassismuskritik bei IDA e. V.

Einladung zur Jubiläumstagung und zum Festakt anlässlich 30 Jahre IDA e. V. in Berlin und online.

Jubiläen sind nicht nur ein Anlass zurückzublicken, sondern bieten auch eine Chance zum Innehalten und zur Reflexion. 30 Jahre Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit (IDA) e. V. sind dafür eine gute Gelegenheit:

Auf Initiative von Jugendverbänden wird 1990 das IDA mit dem Ziel gegründet, mit Bildungsarbeit gegen Rassismus und Rechtsextremismus vorzugehen. Die Gründung steht in direktem Zusammenhang mit den rassistischen Pogromen der 1990er Jahre. Dadurch entwickeln sich die Kernthemen des IDA: Rassismus(kritik), Rechtsextremismus, Antisemitismus und weitere, sich im Laufe der Zeit manifestierende migrationsgesellschaftliche und demokratiepädagogische Themenkomplexe wie bspw. Flucht und Asyl. Die Begriffe und auch die Vorstellungen dazu sind noch andere – die Abkürzung IDA steht anfangs für Informations-, Dokumentations- und Aktionszentrum gegen Ausländerfeindlichkeit für eine multikulturelle Gesellschaft. Der Titel des ersten IDA-Readers aus dem Jahr 1992 fragt: „Multikulturelle Gesellschaft als Lebensform. Wirklichkeit, Zukunftsvision oder Bedrohung?“.

Rassismus wird heute häufiger thematisiert und als solcher benannt als vor 30 Jahren und auch der Begriff selbst hat sich bis hinein in staatliche Stellen punktuell etabliert. Die rassismuskritische Analyse ist zunehmend differenzierter geworden. Viele Institutionen und Organisationen arbeiten an ihrer interkulturellen oder rassismuskritischen Öffnung. Selbstorganisationen haben dazu beigetragen, dass Minderheiten und Communitys sichtbarer und hörbarer geworden sind. 

Die Diskussion über die Themen des IDA polarisiert

Diese positiven Entwicklungen können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es weiterhin (lebens-)gefährlich ist, als Schwarze:r, Person of Color, migrantisierte Person, Jüdin:Jude, Muslim:in, Rom:ni oder Sinto:izza in Deutschland zu leben. Sie haben nicht verhindern können, dass sich rechtsextreme Übergriffe bis hin zu Rechtsterrorismus regelmäßig wiederholen und dass vor allem rassistisch oder antisemitisch diskreditierbare Menschen die Angegriffenen sind. Sie haben nicht verhindern können, dass der Holocaust relativiert wird und Menschen ihre Rassismuserfahrungen aberkannt werden. Und sie haben nicht verhindern können, dass Menschen durch Racial Profiling willkürlich kontrolliert werden. Dass Rassismus also auch auf der einen oder anderen institutionellen Ebene nicht mehr als Tabuwort gilt, heißt noch nicht, dass aktiv gegen Rassismus vorgegangen wird, dass Mitarbeitende vor Rassismus geschützt werden und dass eigene Rassismen eingestanden und reflektiert werden.

Die Diskussion über die Themen des IDA polarisiert in der gesellschaftlichen Arena und in den sozialen Netzwerken: Wer gegen antimuslimischen Rassismus arbeitet, wird nicht nur kritisiert, sondern beschimpft oder angegriffen. Wer Antisemitismus benennt, wird verächtlich gemacht oder ignoriert. Wer Gadjé-Rassismus thematisiert, dem wird mit noch mehr Vorurteilen und Stereotypen gegenüber Sint*izze und Rom*nja begegnet. Die Abwehrhaltungen und -strategien sind durch die Digitalisierung und die Möglichkeiten der Anonymität in sozialen Medien gewaltvoller geworden: Hate Speech bringt Menschen zum Schweigen, verletzt sie und macht sie unsichtbar.

Jede Erkenntnis hilft, den nächsten Schritt anders zu gestalten

Mit Blick auf die gegenwärtige Reihe rechtsextremer Anschläge in der Bundesrepublik stellt sich auch fast zehn Jahre nach der Enttarnung des NSU die Frage, wie blind staatliche Behörden auf dem rechten Auge sind, gerade wenn es um Verbindungslinien von Rechtsextremismus mit dem in der ganzen Gesellschaft vorherrschenden Rassismen oder antisemitischen Einstellungen geht. Auch in Zeiten von Corona wird versucht, die Stimmen derjenigen zu verdrängen, die Rassismus und Antisemitismus erleben und kritisieren, die sich dagegen engagieren und die die neuen und alten Gesichter von Diskriminierung sichtbar und hörbar machen. Die Frage der Wirksamkeit und Grenzen von Rechtsextremismus-Prävention und Rassismuskritik steht also weiterhin im Raum.

Wir möchten die Tagung dazu nutzen, neue Anregungen und Ideen zur zukünftigen Gestaltung rassismuskritischer Bildungsarbeit und des andauernden Engagements gegen Rechtsextremismus zu gewinnen. Eine selbstkritische Auseinandersetzung mit dem, was erreicht wurde und wo rassistische Verhältnisse andauern, soll dabei nicht zu Resignation führen, denn jede Erkenntnis hilft, den nächsten Schritt anders zu gestalten, andere Akteur:innen einzubeziehen und neue Bündnispartner:innen zu gewinnen.

Auf der IDA-Jubiläumstagung wollen wir aus verschiedenen Perspektiven zurück- und nach vorne blicken. Wir möchten zu einer Reflexion der jugendverbandlichen Praxis anregen, wir wollen Überholtes über den Haufen werfen und über neue Wege nachdenken. Wir wollen aber auch feiern, weil IDA sich in den letzten 30 Jahren weiterentwickelt hat und ein wichtiger Ort geworden ist, um Menschen, die sich mit Rechtsextremismus, Rassismus und Migration auseinandersetzen, zusammenzubringen und zu unterstützen.

Aufgrund der COVID-19-Pandemie sind Änderungen im Ablauf jederzeit möglich, da sich die Rahmenbedingungen und rechtlichen Vorgaben für die Veranstaltung ändern können. Alle Angaben sind daher ohne Gewähr. Die Jubiläumstagung findet hybrid statt: Eine Teilnahme ist vor Ort oder nach vorheriger Anmeldung (weitgehend) Stream möglich. 

 

Organisatorisches auf einen Blick:

Termin
Freitag, 13. November – Samstag, 14. November 2020
Ort:
Berliner Stadtmission/Jugendgästehaus Hauptbahnhof (Lehrter Str. 68, 10557 Berlin)

Online-Streaming:
Die Teilnahme ist nach vorheriger Anmeldung auch online möglich, die Vorträge und der Festakt (ohne Abendessen, Kulturprogramm offen) werden in einem geschützten Online-Bereich gestreamt.

Teilnahmebeitrag für die Tagung, ggf. Unterkunft & ggf. Verpflegung:
Einzelzimmer: 70 € (ermäßigt: 35 €) / Doppelzimmer: 50 € (ermäßigt: 25 €) / ohne Übernachtung: 30 € (ermäßigt: 15 €) / Online-Streaming: 20 € (ermäßigt: 10 €)

Ermäßigung für Erwerbslose, Niedrigverdiener:innen, Student:innen, Schüler:innen und auf Anfrage. Bitte teilen Sie uns im Anmeldeprozess mit, ob Sie den ermäßigten Teilnahmebeitrag in Anspruch nehmen möchten.
 

Weitere Informationen unter:
Email: info(at)idaev.de
Tel: 02 11 / 15 92 55 5

Die Tagungsräume sind barrierefrei zugänglich, das Jugendgästehaus teilweise, bitte wenden Sie sich an uns.

 

Wir legen sehr viel Wert auf ein respektvolles Miteinander. In diesem Sinne behalten wir uns vor, von unserem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antise‐ mitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

 

 

 

13.11.2020 14.11.2020
Anmeldefrist: 
Berliner Stadtmission / Jugendgästehaus Hauptbahnhof
Lehrter Str. 68
10557 Berlin
Preis: 70 € (ermäßigt: 35 €) / Doppelzimmer: 50 € (ermäßigt: 25 €) / ohne Übernachtung: 30 € (ermäßigt: 15 €) / Online-Streaming: 20 € (ermäßigt: 10 €)
Kontakt: IDA e. V., Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailMail

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