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Neorassismus

Dem französischen Rassismustheoretiker Etienne Balibar zufolge handelt es sich um einen Rassismus, „dessen vorherrschendes Thema nicht mehr die biologische Vererbung, sondern die Unaufhebbarkeit der kulturellen Differenzen ist; [also um einen Rassismus], der – jedenfalls auf den ersten Blick – nicht mehr die Überlegenheit bestimmter Gruppen oder Völker über andere postuliert, sondern sich darauf ‚beschränkt‘, die Schädlichkeit jeder Grenzverwischung und die Unvereinbarkeit der Lebensweisen und Traditionen zu behaupten“ (Balibar 1990, 28). Dem Neorassismus liegt die kulturalistische Auffassung zugrunde, dass die Menschheit in relativ abgeschlossene und klar voneinander unterscheidbare Kollektive – die z. B. als „Kulturen“ bezeichnet werden – geteilt sei.  Deren Mitglieder, so wird im neorassistischen Denken angenommen, teilen eine homogene, kaum veränderbare, statische und an ein bestimmtes Territorium gebundene Kultur. Menschen werden in dieser Vorstellungswelt als Stellvertreter_innen „ihrer Kultur“ und ihr Verhalten als kulturell determiniert betrachtet. „Kultur“ oder andere Euphemismen wie z. B. „Mentalität“ fungieren hier also als funktionale Äquivalente des Begriffs „Rasse“. Denn statt der Biologie naturalisiert nun „Kultur“ das menschliche Verhalten.

Siehe auch Ethnopluralismus und Naturalisierung

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