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Antiziganismus

Der Begriff wurde erstmals 1981 von dem Ethnologen und „Tsiganologen“ Bernhardt Streck verwendet, um abzustreiten, dass es im Nationalsozialismus eine dem Begriff entsprechende gadje-rassistische Ideologie und Praxis gegenüber als „Zi.“ stigmatisierten Menschen gab (Gadje-Rassismus). Er wurde dann aber von der Bürgerrechtsbewegung der deutschen Sinti_zze und Rom_nja, Aktivist_innen und kritischen Wissenschaftler_innen aufgegriffen, um auf den Völkermord an den europäischen Sinti_zze und Rom_nja – dem Porajmos –, die Ansprüche der Überlebenden und den auch nach dem Nationalsozialismus noch weiter in der Bundesrepublik vorherrschenden Gadje-Rassismus aufmerksam zu machen. In den letzten Jahren hat der Ausdruck auch abseits wissenschaftlicher Veröffentlichungen eine stärkere Verbreitung gefunden. Zwar war der Begriff nie völlig unumstritten, er sieht sich inzwischen jedoch einer vermehrten Kritik vor allem vonseiten kritischer (Romani-)Wissenschaftler_innen und -Aktivist_innen ausgesetzt. Sie bemängeln vor allem, dass sich in dem Begriff die diskriminierende Fremdbezeichnung „Zi.“ wiederhole. Dies könne dazu führen, dass diese Fremdbezeichnung an neuer Legitimität gewinne und sich wieder stärker verbreite, obwohl sie vom weit überwiegenden Teil der Betroffenen als Selbstbezeichnung abgelehnt wird. Dies könne zu neuen Verletzungen bei den von Gadje-Rassismus Betroffenen führen, da sie aufs engste mit den gadje-rassistischen Zuschreibungen, Ablehnung, Verfolgung und Vernichtung verknüpft ist, die die Betroffenen auch heute noch erleben (Aus diesem Grund wird der Begriff in diesem Glossar nur in abgekürzter Form und in Anführungszeichen verwendet.). Darüber hinaus, so wird kritisiert, ist der Begriff „Antiziganismus“ stark mit der Diskurshoheit weißer Wissenschaftler_innen verbunden.

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