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NiJaf

Das Netzwerk interkultureller Jugendverbandsarbeit und –forschung (NiJaf) hat am 17. April 2007 folgendes Selbstverständnis formuliert (hier können Sie das gesamte Dokument als PDF mit Liste der Unterzeichner_innen aufrufen).

I. Aufgaben

Das NiJaf gibt sich die Aufgabe, die Jugendverbandsarbeit bei der interkulturellen Öffnung und deren Verankerung als Querschnittsthema innerhalb der Jugendverbände zu unterstützen. Im NiJaf haben sich VertreterInnen aus Jugendverbänden, ihren Dachorganisationen und Arbeitsgemeinschaften, Vereinen junger MigrantInnen, der Wissenschaft und Politik zusammengeschlossen.

Interkulturelle Öffnung der Jugendverbände impliziert sowohl die Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen mit familiärem Migrationshintergrund in die Angebote der klassischen Jugendverbände als auch die Einbindung der Vereine junger MigrantInnen in die Strukturen der Kinder- und Jugendarbeit.

 

II. Interkulturelle Öffnung der Jugendverbände: Ausgangslage

Die Öffnung der Strukturen der Jugendverbandsarbeit und der einzelnen Jugendverbände für Kinder und Jugendliche mit familiärem Migrationshintergrund ergibt sich aus dem Selbstverständnis der Jugendverbandsarbeit. Dies lässt sich mehrfach begründen:

Unter jugendpädagogischen Gesichtspunkten stellen die Jugendverbände in der Bundesrepublik Deutschland Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen Räume zur Verfügung, in denen unter Gleichaltrigen ihre individuelle Entwicklung zu selbstständigen und verantwortlichen Persönlichkeiten gefördert wird. Jugendverbände stellen somit eine institutionalisierte und aus jugendpolitischen und -pädagogischen Aspekten besonders förderungswürdige Form dar, in denen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ihre Interessen verwirklichen, demokratische Spielregeln lernen und Verantwortung übernehmen. Jugendverbände können gerade für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund eine wichtige Unterstützung sein. Als spezielle Form der Selbstorganisation und der Interessenvertretung von Kindern und Jugendlichen, die auf den Maximen der Ehrenamtlichkeit und Freiwilligkeit beruht, leisten Jugendverbände einen bedeutenden Beitrag zu zivilgesellschaftlichem Engagement.

Unter demokratietheoretischen und jugendpolitischen Aspekten ist die Arbeit von Jugendverbänden auf eine umfassende Partizipation an gesellschaftlichen Fragestellungen und Themen ausgerichtet. Partizipationsgerechtigkeit bedeutet für die Jugendverbände, dass alle Mitglieder der Gesellschaft gleiche und darüber hinaus gerechte Möglichkeiten zur Teilhabe besitzen. Dies impliziert, dass für diejenigen, die von Partizipationsmöglichkeiten ausgeschlossen sind, die Möglichkeit zur Teilhabe geschaffen werden muss. Die Ausweitung der Partizipationschancen von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund durch die interkulturelle Öffnung bedeutet damit für die Jugendverbände, den Anspruch umzusetzen, Interessenvertretung aller in der Bundesrepublik Deutschland lebenden Kinder und Jugendlichen zu sein. Das NiJaf tritt Ausgrenzungen und Diskriminierungen von Kindern und Jugendlichen aufgrund ihrer ethnischen oder kulturellen Herkunft, ihrer Staatsangehörigkeit, Religionszugehörigkeit oder sexuellen Identität sowie ihres rechtlichen Status entschieden entgegen. Um diese Ausschlussmechanismen und Ungerechtigkeiten zu bekämpfen, streben Jugendverbände das gemeinsame Engagement mit anderen AkteurInnen an und sind auf Förderung dieser Anliegen durch öffentliche Institutionen angewiesen.

 

III. Interkulturelle Öffnung der Jugendverbände: Definition

Die Mitglieder des NiJaf gehen von einem mehrdimensionalen Ansatz der interkulturellen Öffnung aus, der verschiedene Herangehensweisen und Möglichkeiten der Öffnung impliziert. Neben der Öffnung von bestehenden Jugendverbänden für Kinder und Jugendliche mit familiärem Migrationshintergrund sind auch die Öffnung von Verbänden als Dach für selbstständig organisierte Vereine junger MigrantInnen sowie die Kooperation mit und Unterstützung von Vereinen junger MigrantInnen wesentlicher Bestandteil der interkulturellen Öffnung. Neben der Öffnung der Jugendverbände für Mitglieder mit familiärem Migrationshintergrund stellen die Öffnung der Strukturen und Gremien der Jugendverbände weitere wesentliche Bestandteile einer umfassenden Öffnung dar.

Aufgrund der Pluralität der Jugendverbände, die mit unterschiedlichem Wertehintergrund, unterschiedlichen Zielgruppen und zu unterschiedlichen Themen und Aktionsgebieten arbeiten, müssen Konzepte der Öffnung so angelegt sein, dass sie der Vielfalt der Jugendverbandsarbeit Rechnung tragen.

Mit dem Anspruch der interkulturellen Öffnung der Jugendverbandsarbeit wird auch Bezug genommen auf die interkulturellen Lernprozesse, die in einer Einwanderungsgesellschaft und ihren Institutionen stattfinden müssen, um Ausgrenzungen, Diskriminierungen, Rassismus und Vorurteile zu verhindern.

 

IV. Ziele

Ziele und Aufgaben des NiJaf

Das NiJaf hat sich zum Ziel gesetzt, im Bereich der Jugendverbandsarbeit Initiativen zur Implementierung von Maßnahmen der interkulturellen Öffnung zu entwickeln und die einzelnen Akteure zu vernetzen.

Ein wesentlicher Bestandteil des Netzwerks ist die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Praxis im Feld der interkulturellen Öffnung. Eigenständige wissenschaftliche Untersuchungen zu Fragestellungen der interkulturellen Öffnung der Jugendverbandsarbeit liegen in den unterschiedlichen Disziplinen - von der Migrationssoziologie und -pädagogik bis zur Jugendverbandsforschung - bisher kaum vor. Wissenschaftliche Arbeiten, die sich mit der Praxis der interkulturellen Öffnung der Jugendverbandsarbeit beschäftigen, sollen durch die Zusammenarbeit angeregt und unterstützt werden. Dies bezieht sich vorrangig auf Praxisforschungsprojekte, insgesamt aber auf die gesamte Breite wissenschaftlicher und methodologischer Ansätze zum Thema. Die Forschungen sollen in die Praxis der Jugendverbände eingebunden werden, zur Weiterentwicklung der Praxis beitragen und Anstöße für neue Initiativen bieten.

Durch seine Arbeit will das NiJaf die Bedeutung der Thematik in den Blick rücken und dazu beitragen, dass die interkulturelle Öffnung der Jugendverbandsarbeit nachhaltig und angemessen gefördert wird.

 

V. Vorgehensweise

Für das NiJaf ergeben sich verschiedene Arbeitsgebiete:

Auf der Ebene der Praxis der Jugendverbände wird das NiJaf

  • Erkenntnisse und Ergebnisse aus bereits bestehenden interkulturellen Projekten und Initiativen diskutieren, austauschen und weitergeben,
  • Kontakte zu Jugendverbänden knüpfen, die sich interkulturell öffnen wollen, und diese in ihrem Vorhaben unterstützen.

Auf der Ebene der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der interkulturellen Öffnung der Jugendverbände möchte das NiJaf

  • wissenschaftliches Know-how zur Begleitung von Praxisprojekten zur Verfügung stellen,
  • anhand von gelungenen Projekten der Jugendverbände Anhaltspunkte und Empfehlungen für die interkulturelle Öffnung der Jugendverbandsarbeit entwickeln,
  • verschiedene Forschungsprojekte anregen:
    1. empirisch-quantitative Erhebungen zum Stand der interkulturellen Öffnung;
    2. empirisch-qualitative Erhebungen mit exemplarischem Charakter zu Aspekten der interkulturellen Öffnung;
    3. prozessbegleitende Praxisforschung aus der Perspektive der AkteurInnen.

Auf der politischen Ebene wollen die im NiJaf zusammengeschlossenen Organisationen und WissenschaftlerInnen

  • bei politischen EntscheidungsträgerInnen und Institutionen ein Bewusstsein für die Notwendigkeit der interkulturellen Öffnung der Jugendverbände und die Einbeziehung der Vereine jugendlicher MigrantInnen in die Kinder- und Jugendpolitik schaffen,
  • daraus resultierend sich für die angemessene Förderung der Aktivitäten der Jugendverbände im Bereich der interkulturellen Öffnung einsetzen.

Das NiJaf tritt in der Regel zweimal jährlich zusammen, um sich über den aktuellen Stand der interkulturellen Öffnung der Jugendverbände und der Begleitforschung auszutauschen. Es veranstaltet Fachtage, die einem über das NiJaf hinausgehenden Kreis aktuelle Arbeitsergebnisse präsentieren.

 

VI. Teilnahme und Kontakt

Die Teilnahme am NiJaf steht allen interessierten Jugendverbänden, Zusammenschlüssen junger MigrantInnen und WissenschaftlerInnen, die im Feld der interkulturellen Öffnung der Jugendverbandsstrukturen tätig sind oder tätig werden wollen, offen.

 

Kontakt

Die Geschäftsführung wird derzeit vom Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit (IDA) e. V. wahrgenommen. Informationen über das NiJaf sind zu erhalten unter

Tel: 02 11 / 15 92 55-5

Fax: 02 11 / 15 92 55-69

Mail: info(at)IDAeV.de