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Die neue Infomail ist da!

Die neue Ausgabe der Infomail findet sich auf der IDA-Website unter https://www.idaev.de/publikationen/infomail zum Download.

Editorial:

Ein Sommer der strahlenden Sportereignisse sollte es werden. Erst die Europameisterschaft und dann die Olympischen Sommerspiele in Tokio. Jedoch wurden beide Großereignisse auch zu einem Ort der Auseinandersetzung über Rassismus und Diskriminierung. Während in Tokio Patrick Moster, der Sportdirektor des Bundes Deutscher Radfahrer, nach seinen rassistischen Aussagen gegenüber zwei Radfahrern aus Algerien und Eritrea von der Union Cycliste Internationale suspendiert wurde, gab es bei der EM eine breite Debatte darüber, ob die Münchner Allianz Arena beim Spiel Deutschland gegen Un-garn in Regenbogenfarben erstrahlen darf. Das Stadion sollte mit diesem Zeichen der LSBTIAQ*- Community beleuchtet werden, um gegen das neue Gesetz in Ungarn zu protestieren, das unter 18-jährigen jungen Menschen den Zugang zu Informationen über sexuelle und geschlechtliche Vielfalt verbietet. Diese symbolträchtige Aktion wurde von der UEFA unterbunden ‒ unter Berufung auf die politische Neutralität des Fußballs. Das wurde als Einknicken des organisierten Fußballs, der sich Vielfalt auf die Fahnen schreibt, vor dem ungarischen Präsidenten kritisiert. Auch in Deutschland fiel immer wieder das Stichwort „Neutralität“. Schließlich gibt es in Deutschland im Bereich von Nichtregierungsorganisationen, die politische Bildungsarbeit anbieten oder sich politisch positionieren, eine Debatte über die Grenzen der politischen Betätigung im Rahmen der Gemeinnützigkeit. So hat der Bundesfinanzhof die Aberkennung der Gemeinnützigkeit des globalisierungskritischen Vereins „Attac“ damit begründet, dass der Verein in seiner Bildungsar-beit zu sehr „die politische Willensbildung und die öf­fentliche Meinung im Sinne eigener Auffassungen“ beeinflussen wolle. Auch andere Vereine mit kritischen politischen Positionen haben dieses Urteil als Einschränkung der politischen Bildungsarbeit empfunden. Wenn Vereine und Organisationen sich nicht mehr trauen, sich öffentlich politisch zu positionieren, weil sie befürchten müssen, dass ihnen dann die Gemeinnützigkeit aberkannt wird, leidet die politische Auseinandersetzung in der Zivilgesellschaft und die aktive Rolle von NGOs. Aus gemeinnützigkeitsrechtlicher Perspektive hätte die Allianz Arena in Deutschland in Regenbogenfarben erstrahlen können. Denn sexuelle und geschlechtliche Vielfalt sind Ausdruck der in Artikel 1 des Grundgesetzes garantierten Menschenwürde und Diskriminierungen verletzten zudem den Gleichheitsgrundsatz des Artikels 3. Die Haltung der UEFA, aber auch deutscher Kommentator:innen hat deutlich gemacht, dass die Rechte der LSBTIQ*-Community noch nicht ausreichend gesichert sind. Der neue IDA-Reader beschäftigt sich ‒ übrigens in Regenbogenfarben ‒ mit Sexualitäten und Geschlechtsidentitäten in der Migrationsgesellschaft und ermöglicht einen intersektionalen Blick auf dieses Thema auch aus der Perspektive der Jugend(verbands)arbeit. (Jana Baumeister)