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Glossar

Im Glossar werden zentrale Begriffe aus den Arbeitsbereichen des IDA kurz und verständlich erläutert.

A
Altersdiskriminierung

Altersdiskriminierung (auch: Ageism) bezeichnet die Diskriminierung von Personen oder Gruppen aufgrund ihres Alters. Prinzipiell können alle Altersgruppen betroffen sein. Vorwiegend sind allerdings ältere Menschen (Gerontophobie) oder Jugendliche (Ephebiphobie) betroffen. Im Gegensatz dazu wird unter Jeunismus die gezielte Bevorzugung von Jugendlichen verstanden.

Antidiskriminierung

Mit Antidiskriminierung verbindet sich ein aktives Eintreten gegen Diskriminierung, sei sie direkter oder indirekter Art. Die Spannweite von Aktivitäten reicht hierbei von der gezielten Beratung und Unterstützung von Menschen mit Diskriminierungserfahrungen und der Dokumentation von Diskriminierungsfällen über öffentlichkeitswirksame Kampagnen für Vielfalt und gleiche Rechte bis hin zu Gesetzen mit einklagbaren Bestimmungen zum Schutz vor Diskriminierung. Ein wichtiges Ziel von Antidiskriminierungsarbeit ist die Sicherung fundamentaler Menschenrechte.

Antisemitismus

Der Begriff wurde Ende des 19. Jhs. von deutschen Antisemiten geprägt, die ihre Feindschaft gegenüber Juden damit - in Abgrenzung zu religiös motivierten Antipathien - pseudo-wissenschaftlich und rassistisch zu legitimieren versuchten. »Im modernen Sprachgebrauch« - so der Antisemitismusforscher Wolfgang Benz - meint der Begriff »die Gesamtheit judenfeindlicher Äußerungen, Tendenzen, Ressentiments, Haltungen und Handlungen unabhängig von ihren religiösen, rassistischen, sozialen oder sonstigen Motiven.«

Antiziganismus

Der Begriff findet in den letzten Jahren stärkere Verbreitung, um Feindschaft gegen Sinti und Roma zu bezeichnen. So formuliert die Gesellschaft für Antiziganismusforschung: »Antiziganismus (von tsigane = Zigeuner) ist die feindliche Haltung gegenüber den ›Zigeunern‹, die von inneren Vorbehalten über offene Ablehnung, Ausgrenzung und Vertreibung bis zu Tötung und massenhafter Vernichtung reicht. Diese Haltung zeigt sich ebenso in der Diskriminierung und Dämonisierung der Minderheit wie in der Verklärung des ›lustigen Zigeunerlebens‹.«

Aussiedler

Als Aussiedlerinnen und Aussiedler werden deutsche Staatsangehörige und deutsche Volkszugehörige (nach § 1 Abs. 2 Nr. 3 des Bundesvertriebenengesetzes), die die Aussiedlergebiete verlassen und in die Bundesrepublik Deutschland eingereist sind bezeichnet (siehe auch: Spätaussiedler/in). 

B
Behindertenfeindlichkeit

Der Begriff (auch abelism) bezeichnet die individuelle oder strukturelle Diskriminierung von Menschen mit (zugeschriebener) Behinderung. Es wird eine deutliche Grenze zwischen Menschen mit und Menschen ohne Behinderung gezogen, die tief in der Gesellschaft verankert ist und von den Diskriminierenden oft nicht bewusst wahrgenommen, oder als „gut gemeint“ angesehen wird. Behinderungen finden oft durch die Diskriminierung selber statt: So werden beispielsweise Menschen mit Behinderung an der Entfaltung ihrer persönlichen Möglichkeiten be- bzw. gehindert, weil ihnen notwendige Hilfen zur Kompensation ihrer Beeinträchtigung verwehrt oder nur in fremdbestimmter Form gewährt werden. Beispiele sind Barrieren wie Treppen für Rollstuhlfahrer oder fehlende akustische Ansagen bei Sehbehinderten.

D
Diskriminierung

Diskriminierung ist die ungleiche, benachteiligende und ausgrenzende Behandlung von Gruppen und Individuen ohne sachlich gerechtfertigten Grund. Diskriminierung kann sich zeigen als Kontaktvermeidung, Benachteiligung beim Zugang zu Gütern und Positionen, als Boykottierung oder als persönliche Herabsetzung. Der Begriff bezeichnet sowohl den Vorgang als auch das Ergebnis. Die Durchsetzung von Diskriminierung setzt in der Regel soziale, wirtschaftliche, politische oder publizistische Macht voraus.

Diversity Management

Der Begriff ist abgeleitet von Diversity Management. Das in den USA für das Management von Unternehmen entwickelte Konzept zielt auf die bewusste Nutzung und Förderung der Vielfalt von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Dabei geht es nicht nur um Toleranz gegenüber individueller Verschiedenheit (engl.: diversity), sondern um die positive Wertschätzung von Vielfalt. Ziele von Diversity Management sind eine produktive Gesamtatmosphäre, die Verhinderung der Diskriminierung von Minderheiten und die Gewährleistung gleicher Chancen für alle - unabhängig von Alter, Geschlecht, Nationalität, Hautfarbe, Religion oder sexueller Orientierung.

E
Empowerment

Der Begriff wurde von der US-amerikanischen Bürgerrechts- und Selbsthilfebewegung geprägt und steht für Selbst-Ermächtigung oder Selbst-Befähigung. Gemeint ist damit ein Prozess, in dem benachteiligte Menschen ihre eigenen Kräfte entwickeln und Fähigkeiten nutzen, um an politischen und gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen teilzuhaben und so ihre Lebensumstände und Entwicklungsmöglichkeiten zu verbessern - unabhängig vom Wohlwollen der Mehrheitsangehörigen. Dazu zählen Konzepte und Strategien, die dazu beitragen, dass Menschen in (vordergründig) marginalisierten Positionen ein höheres Maß an Selbstbestimmung und Autonomie erhalten und ihre Interessen eigenmächtig, selbstverantwortlich und selbstbestimmt vertreten und durchsetzen können. Empowerment bezeichnet dabei sowohl den Prozess der Selbstermächtigung als auch die professionelle Unterstützung der Menschen, ihre Gestaltungsspielräume und Ressourcen wahrzunehmen und zu nutzen.

Essentialisierung

Mit Essentialisierung ist die (Über-)Betonung von physiognomischen Merkmalen (z.B. Hautfarbe, körperliche Behinderung), Geschlechtszugehörigkeit und religiösen oder sexuellen Orientierungen gemeint. Essentialisierungen gehen mit einer Reduzierung der jeweiligen Person auf dieses eine Merkmal einher, blenden also andere Identitätsmerkmale der Person aus. Sie können von Seiten einer Einzelperson oder Gruppe als Fremdzuschreibungen fungieren. Dann gehen sie häufig mit Ausschließungspraxen einher. Sie können aber auch als Selbstzuschreibung in Erscheinung treten, d.h. die jeweilige Person definiert sich selbst über dieses Merkmal. Auch in der Essentialisierung eigener Merkmale liegt die Gefahr, die bestehenden Vorurteile und Diskriminierungen zu aktualisieren, da die Betonung des jeweiligen Merkmals die gesellschaftliche Dichotomisierung in »Wir« und »Ihr« bestätigt.

Ethnisierung

Werden Unterschiede zwischen Gruppen von Menschen auf ethnische Unterschiede reduziert, wird häufig von Ethnisierung gesprochen. Selbstethnisierung ist die Selbstbeschreibung auf Grundlage ethnischer Kategorien und kann der Durchsetzung eigener Interessen oder einer Identitätspolitik dienen. Fremdethnisierung ist ein sozialer Ausschließungsprozess, der Minderheiten schafft, diese negativ bewertet und die Privilegien der Mehrheit sichert.

Ethnizität

Ethnizität ist die Überzeugung von Menschen, einer bestimmten Ethnie anzugehören oder andere Ethnien als separat zu empfinden. Der britische Soziologe Stuart Hall betont in seiner Definition, dass Ethnizität keine feststehende Eigenschaft ist, sondern als dynamisch und kontextabhängig zu betrachten ist: »Es ist eher eine Überzeugung, eine Vorstellung, eine Bewusstseinsform, die weder natürlich noch ewig ist, sondern zu einem bestimmten Zeitpunkt durch die Umstände hervorgebracht wird. Es ist ein Halt, der dem Individuum das Gefühl gibt, irgendwo in der Welt einen Platz und eine Position zu haben (…) Ethnizität erinnert uns daran, dass jede/r ›irgendwo‹ herkommt - ob real oder eingebildet - und dass jede/r das Bedürfnis hat, sich mit etwas zu identifizieren und bei was auch immer zugehörig zu fühlen.«

Ethnozentrismus

Der von dem US-amerikanischen Soziologen W. G. Sumner geprägte Begriff betont allgemein einen auf die Eigengruppe bezogenen Egozentrismus. Im engeren Verständnis bedeutet Ethnozentrismus die Beurteilung anderer Gruppen, Ethnien und Kulturen aus der Sicht der eigenen Gruppe und der mit ihr verbundenen Wertmaßstäbe. Dabei kann es durch Auswahl und Hervorhebung bestimmter Informationen sowie Leugnung oder Ausblendung anderer Informationen zu einer Überhöhung der Eigengruppe kommen. Im Extremfall handelt es sich um eine Deutung der Welt, in der die eigene Gruppe das Zentrum aller guten Dinge ist und alle anderen als negativ bewertet werden.

G
Gender

Der aus dem Englischen stammende Begriff steht für soziales Geschlecht. Im Gegensatz zum biologischen Geschlecht (engl.: sex) sind mit sozialem Geschlecht die gesellschaftlich, sozial und kulturell konstituierten Geschlechterrollen von Frauen und Männern, die gesellschaftlich dominanten Vorstellungen von Weiblichkeit und Männlichkeit gemeint. Betont wird damit, dass Vorstellungen über »typisch weibliche« oder »typisch männliche« Aufgaben und Rollen nicht naturgegeben sind, sondern auf kulturellen Traditionen und gesellschaftlichen Konventionen beruhen.

H
Heteronormativität

Heteronormativität bezeichnet Diskriminierung von Menschen, die nicht der gesellschaftlich akzeptierten »Norm«, die auf Heterosexualität basiert, entsprechen. Heteronormativität existiert sowohl auf struktureller und institutioneller als auch auf sozialer und individueller Ebene und äußert sich beispielsweise in Gewalt gegen Menschen mit anderer Sexualität, aber auch in Gesetzen, die z. B. heterosexuelle Paare steuerlich bevorzugen.

Homophobie

Der Begriff beschreibt negative Gefühle oder Feindseligkeit gegenüber Homosexualität, die oft zur Ablehnung oder Diskriminierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen oder Transgender führen. Dabei handelt es sich aber nicht um eine klassische Phobie, deren Quelle Angst ist. Negative Einstellungen gegenüber Homosexuellen beruhen zumeist auf tradierten Vorstellungen von Geschlechterrollen, die durch die Präsenz von Homosexuellen in Frage gestellt werden.

I
Interkulturelles Lernen

Interkulturelles Lernen meint die Kompetenzerweiterung im interkulturellen Feld, d. h. die Befähigung zum Umgang mit Heterogenität. Ähnlich wie die interkulturelle Kompetenz wird auch das interkulturelle Lernen als ein Angebot der Fort- und Weiterbildung meistens auf ethnisch-kulturelle Aspekte beschränkt, interkulturelles Lernen soll also den Umgang mit nationalen und/oder ethnischen Differenzen erleichtern. Allzu häufig stehen dabei nach wie vor Informationen über die Kultur der Herkunftsländer von in der Bundesrepublik lebenden Migrantinnen und Migranten im Vordergrund, wodurch ethnisierende Zuschreibungen über die jeweilige Kultur forciert werden. Nur ein interkulturelles Lernen, das auch Migrationsursachen, Diskriminierungserfahrungen der Migrantinnen und Migranten, Lebensrealitäten von Eingewanderten etc. fokussiert, wird auch deren Pluralität in der Einwanderungsgesellschaft gerecht.

Intersektionalität

Der Begriff Intersektionalität beschreibt die Analyse der Interdependenz und des Zusammenwirkens verschiedener Kategorien von Differenzen und Dimensionen sozialer Ungleichheit und Ausgrenzung. Um ein Verständnis von Diskriminierungen zu erhalten, dürfen die einzelnen Formen (etwa Rassismus, Sexismus oder Homophobie) nicht unabhängig voneinander betrachtet werden. Ein homosexueller muslimischer Migrant, der Wirtschaftswissenschaften studiert, könnte beispielsweise aufgrund seiner sexuellen Identität und/oder seiner Religion und/oder seiner ethnischen Herkunft von Diskriminierung betroffen sein. Gleichzeitig stehen ihm aufgrund seiner Genderzugehörigkeit und seines Bildungshintergrundes verschiedene Ressourcen zur Verfügung, die ihn in diesen Aspekten privilegieren.

Islamophobie

Der vor einigen Jahren aus dem englischen und französischen Sprachraum ins Deutsche übertragene Begriff wird als Synonym für Islamfeindlichkeit verwendet oder - in Anlehnung an den Begriff der Xenophobie - als gegen Muslime oder den Islam gerichtete Fremdenangst definiert. Er verweist vor allem auf tief sitzende Ängste, negative Einstellungen und emotional begründete Abwehr und Feindseligkeit.

K
Klassismus

Der Begriff Klassismus bezeichnet die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihres (zugeschriebenen) ökonomischen, sozial- oder bildungspolitischen Status. Dies kann auf individueller, institutioneller oder auch kultureller Ebene stattfinden.

Kultur

Kultur ist ein mehrdeutiger Begriff, der sich um die Gesamtheit der materiellen und immateriellen Ergebnisse menschlicher Innovation dreht. Der enge Kulturbegriff bezieht sich auf Kunst und Geisteskultur, der weite auf die Lebenswelt des Menschen. Im Gegensatz zu klassischen Definitionen einer weitgehend homogenen, statischen und in sich geschlossenen Kultur wird heute hervorgehoben, dass Kultur einem ständigen Veränderungsprozess unterliegt, in sich heterogen ist und nicht unbedingt an ein bestimmtes Territorium gebunden ist. Menschen werden zudem als mehreren Kulturen zugehörig betrachtet (z. B. Nationalität, Organisation, Religion, Generation, Familie). In diesem Sinne wird unter Kultur diejenige Lebenswelt verstanden, die eine Person als »eigene« definiert, weil sie Normalität und Plausibilität bietet und soziales Routinehandeln ermöglicht.

Kulturalisierung

Unter Kulturalisierung wird die Praxis verstanden, Kultur als wesentliche, zentrale und determinierende Erklärung für (individuelle) Handlungen, Einstellungen, Verhaltensweisen, Konflikte oder Ausdrucksweisen zu verstehen. Häufig wird dabei der Kulturbegriff ethnisiert und Menschen werden beispielsweise auf ihre - angebliche - »türkische Kultur« festgeschrieben. Dadurch werden Menschen in ihrer Vielfältigkeit und Komplexität nicht wahrgenommen, sondern ausschließlich auf eine (vermeintliche oder tatsächliche) kulturelle Zugehörigkeit reduziert. Dass es sich hierbei häufig um Fremdzuschreibungen und nicht um die eigene subjektive Identifikation handelt, gerät bei kulturalisierenden Interpretationen der Wirklichkeit häufig auf dem Blick. Durch Kulturalisierungen werden die Dichotomisierung der Gesellschaft in Zugehörige (»Wir«) und Nicht-Zugehörige (»Die Anderen«) verstärkt und Stereotypen und Zuschreibungen reproduziert.

M
Migrantenselbstorganisationen

Unter MSO werden Vereine, Organisationen und Zusammenschlüsse von Menschen mit Migrationshintergrund verstanden, die dauerhaft und mit unterschiedlichen Zielen zusammenschließen. Das Spektrum der Vereine ist äußert breit und reicht von religiösen bis zu politischen MSO, umfasst herkunftskomogene und herkunftsheterogenen, zielgruppenspezifische (wie z. B. Frauenvereinen) oder zielgruppenübergreifende Organisationen. Für Organisationen, die von Jugendlichen mit Migrationshintergrund gegründet werden, hat sich der Begriff Verein von Jugendlichen mit Migrationshintergrund (VJM) etabliert.

Migration

Der Begriff Migration bezeichnet auf Dauer angelegte Wechsel des Wohnortes von Personen. Dabei kann es sich um Wanderungsbewegungen innerhalb eines Staatsgebietes (Binnenmigration) oder um eine Staatsgrenzen überschreitende Wanderungsbewegung handeln (internationale Migration). Es wird zwischen zwei verschiedenen Formen der Migration unterschieden: freiwillige (z. B. Arbeitsmigration, Familienmigration, Altersmigration) und unfreiwillige Migration (z. B. Flucht, Vertreibung, Sklaverei). Migration ist kein ausschließliches Phänomen der Moderne. Dass Menschen ihren Geburtsort oder das Geburtsland verlassen, gehört seit jeher zur Geschichte der Menschheit.

Moslem

Die Begriffe Moslem/Muslim und Muslima bezeichnen Personen, die dem Islam angehören. Dabei sagt die Bezeichnung noch nichts über die Richtung des Islam (u. a. Aleviten, Schiiten, Sunniten) oder den Grad der Religiosität aus. Statistiken gehen von ca. 3,5 Mio. in Deutschland lebenden Muslimen und Muslimas aus. Wie viele Muslime und Muslimas in Deutschland leben, ist aufgrund der fehlenden statistischen Daten nicht genau ermittelbar.

MSO

Siehe Migrantenselbstorganisationen

Muslima

Siehe Moslem

O
Othering

Basierend auf »Wir«- »Ihr« -Konstruktionen wird das »Ihr« zum/zur vermeintlich gänzlich Anderen, der/die im Gegensatz zum »Wir« als weniger emanzipiert, aufgeklärt, tolerant, demokratisch, gebildet etc. gedacht wird. Es werden elementare Differenzen konstruiert, die negativ bewertet und betont werden. Wenn das Gegenüber durch die ständige Konfrontation mit den Zuschreibungen nach und nach diese unbewusst übernimmt, ist sie oder er tatsächlich zum vermeintlich Anderen geworden, er oder sie hat sich dem Bild vom Anderen angeglichen. Migrantinnen und Migranten beispielsweise, die ihre bilingualen Kompetenzen gering schätzen und ihr Augenmerk auf die Defizite im Deutschen legen, bestätigen unbewusst den Prozess des othering.

Q
Queer-Studies

Queer-Studies zielen darauf ab, eindeutige geschlechtliche und sexuelle Identitäten und Lebensmodelle zu dekonstruieren. Der Begriff stammt aus den USA, wo „queer“ zunächst ein Schimpfwort für Menschen war, die nicht den sexuellen und geschlechtlichen Vorstellungen der Gesellschaft entsprachen. Erst später wurde „Queer“ zur positiven Selbstbezeichnung und zum politischen und wissenschaftlichen Begriff. Dabei bezieht sich queer nicht ausschließlich auf schwul/lesbische Menschen, sondern wendet sich generell gegen eine Dichotomisierung und bezieht sich auf ganz unterschiedliche sexuelle und Geschlechtszugehörigkeiten.

R
Rassismus

Rassismus ist der Prozess, in dem Menschen aufgrund tatsächlicher oder vermeintlicher körperlicher oder kultureller Merkmale (z. B. Hautfarbe, Herkunft, Sprache, Religion) als homogene Gruppen konstruiert, negativ bewertet und ausgegrenzt werden. Der klassische Rassismus behauptet eine Ungleichheit und Ungleichwertigkeit von Menschengruppen auf Grundlage angeblicher biologischer Unterschiede. Im Kulturrassismus wird die Ungleichheit und Ungleichwertigkeit mit angeblichen Unterschieden zwischen den »Kulturen« zu begründen versucht. Rassismus ist die Summe aller Verhaltensweisen, Gesetze, Bestimmungen und Anschauungen, die den Prozess der Hierarchisierung und Ausgrenzung unterstützen und beruht auf ungleichen Machverhältnissen.

S
Sexismus

Unter Sexismus wird jede Art der Diskriminierung von Menschen aufgrund ihres Geschlechts sowie die diesen Erscheinungen zugrunde liegende Ideologie verstanden. Sexismus findet sich in Vorurteilen und Weltanschauungen, in sozialen, rechtlichen und wirtschaftlichen Regelungen, in Form faktischer Gewalttätigkeit (Vergewaltigung, Frauenhandel, sexuelle Belästigung, herabwürdigende Behandlung und Sprache) und in der Rechtfertigung solcher Gewaltstrukturen durch den Verweis auf eine »naturgegebene« Geschlechterdifferenz. Der Problematisierung und wissenschaftlichen Aufarbeitung hat sich insbesondere die Frauenbewegung und -forschung mit Blick auf Frauen benachteiligende Stereotype und Strukturen gewidmet. Die Kritik von Sexismus bezieht sich heute auch auf sozial definierte Geschlechtsrollen und Geschlechterverhältnisse (gender).

Sinti und Roma

Sinti und Roma ist die Selbstbezeichnung einer rund 100.000 Mitglieder umfassenden Minderheit in Deutschland, die neben einigen anderen kleineren Gruppen als sog. nationale Minderheit anerkannt ist. Die stigmatisierende Fremdbezeichnung als »Zigeuner« wird vom Zentralrat Deutscher Sinti und Roma als diskriminierend abgelehnt. Dabei verweist »Sinti« auf die in Mitteleuropa seit dem Spätmittelalter beheimateten Angehörigen der Minderheit, »Roma« auf diejenigen südosteuropäischer Herkunft. Außerhalb des deutschen Sprachkreises wird Roma - oder einfach Rom - auch als Sammelname für die gesamte Minderheit verwendet.

Spätaussiedler

Seit dem 1. Januar 1993 bezeichnet man deutsche Volkszugehörige (nach § 4 Abs. 1 Bundesvertriebenengesetzes), die die Republiken der ehemaligen Sowjetunion, Estland, Lettland oder Litauen nach dem 31. Dezember 1992 verlassen haben, als Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler. Diese müssen ein Aufnahmeverfahren durchlaufen und innerhalb von sechs Monaten einen ständigen Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland haben. Um den Status Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler zu bekommen, müssen folgende Punkte erfüllt sein: Die Person muss: 1. seit dem 8. Mai 1945 oder 2. nach seiner Vertreibung oder der Vertreibung eines Elternteils seit dem 31. ;März 1952 oder 3. seit seiner Geburt, wenn er vor dem 1. Januar 1993 geboren ist und von einer Person abstammt , die die Stichtagsvoraussetzung des 8. Mai 1945 nach Nummer 1 oder des 31. März 1952 nach Nummer 2 erfüllt, es sei denn, dass Eltern oder Großeltern ihren Wohnsitz erst nach dem 31. März 1952 in die Aussiedlergebiete verlegt haben, seinen Wohnsitz in den Aussiedlungsgebieten hatte. Spätaussiedlerin und Spätaussiedler ist gemäß Absatz 2 aaO auch ein/e deutsche/r Staatsangehörige/r aus den Aussiedlungsgebieten des § 1 Abs. 2 Nr. 3 außer den in Absatz 1 genannten Staaten, der die übrigen Voraussetzungen des Absatz 1 erfüllt und glaubhaft machen kann, dass er am 31. Dezember 1992 oder danach Benachteilungen oder Nachwirkung früherer Benachteilungen aufgrund deutscher Volkszugehörigkeit unterlag. Grundsätzlich muss jede Person, die den Status Aussiedler oder Spätaussiedler bekommen möchte, seit Juli 1990 mit einem Aufnahmeverfahren nach Deutschland einreisen.

Stereotyp

Der Begriff wurde 1922 von Walter Lippmann für »vorgefasste Meinungen über soziale Gruppen« in die Sozialwissenschaft eingeführt. In der Psychologie bezeichnen Stereotype den kognitiven Aspekt von Vorurteilen. Stereotype sind Kategorisierungen oder Eigenschaftszuschreibungen, mit denen alltägliche Informationen über Menschen oder Sachverhalte wahrgenommen und im Gedächtnis gespeichert werden. Sie reduzieren Komplexität und vereinfachen die Realität, bieten aber auch Orientierung in einer von unüberschaubar vielen Informationen gekennzeichneten Welt. In der Gesellschaft weitgehend bekannte Stereotype zu kennen, bedeutet nicht notwendigerweise, dass ihnen auch zugestimmt wird.

Stigmatisierung

Der aus dem Griechischen stammende Begriff steht für »Mal, entehrendes Kennzeichen«. Stigmatisieren bedeutet, eine Person oder eine Gruppe in diskriminierender Weise zu kennzeichnen, in dem ihr bestimmte, von der Gesellschaft als negativ bewertete Merkmale zugeschrieben werden. Dabei kann sich die diskriminierende Kennzeichnung auf sichtbare Merkmale (z. B. Hautfarbe, Geschlecht) oder unsichtbare Merkmale (z. B. Religion, Sexualität) beziehen.

V
Vereine von Jugendlichen mit Migrationshintergrund

Siehe Migrantenselbstorganisation

VJM

Siehe Migrantenselbstorganisation

Vorurteil

Vorurteile sind negative oder ablehnende Einstellungen einem Menschen oder einer Menschengruppe gegenüber. Anderen werden dabei infolge stereotyper Vorstellungen bestimmte und zumeist negative Eigenschaften zugeschrieben, die sich aufgrund von Starrheit und gefühlsmäßiger Aufladung selbst bei widersprechender Erfahrung nur schwer korrigieren lassen. Viele Vorurteile gegenüber Minderheiten (z. B. Juden, Schwarze, Sinti und Roma) sind historisch tradiert und werden in den Medien, in Schulbüchern und in der Alltagssprache reproduziert.

Z
Zivilcourage

Unter Zivilcourage werden Formen des Handelns von Individuen oder Gruppen verstanden, die sich in einer Situation, die durch ein Machtungleichgewicht gekennzeichnet ist, für die benachteiligte Seite einsetzen. Dieses Eingreifen geschieht zunächst ohne Berücksichtigung der eigenen Gefährdung. Der Begriff stammt etymologisch von den Worten »civis« (lat. Bürger) und »courage« (frz. Mut) ab und wird deshalb häufig als »Mut der BürgerInnen« übersetzt. Um Zivilcourage einzuüben, existieren spezielle Trainings, wobei umstritten ist, inwieweit Zivilcourage tatsächlich trainierbar ist.