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Glossar Detailansicht

Farbenblindheit (color blindness)

Wenn eine Person sich als farbenblind beschreibt, möchte sie damit aussagen, dass sie die „Hautfarbe“ einer Person nicht wahrnimmt und diese in ihren Denkmustern und Verhaltensweisen scheinbar keine Rolle spielt. Dabei wird auf die Gleichheit aller und vermeintliche Chancengleichheit verweisen. Allerdings wird der Ansatz der „Farbenblindheit“ kritisch diskutiert, da er tatsächlich nicht dazu führt, dass bestehender Rassismus reduziert wird. Stattdessen führt vermeintliche Farbenblindheit dazu, dass Rassismus als andauerndes Problem bestritten und zu einem Problem der Vergangenheit erklärt wird. Folglich verhindert Farbenblindheit, dass rassistische Strukturen und Denkmuster bekämpft werden. Bestehende Machtverhältnisse in Form von Privilegien, Zugängen und Ressourcen für weiß-gelesene Menschen werden stattdessen mit positiven Eigenschaften der weißen Person begründet (z.B. hartarbeitend) und der Einfluss rassistischer Gesellschaftsstrukturen ignoriert. Mit dieser Aufwertung der weiß-gelesenen Personen geht oft eine gleichzeitige Abwertung von BIPoC* einher, die auf Stereotypen, Vorurteilen und sonstigen ethnisierenden, kulturalisierenden bzw. rassistischen Erklärungen beruht (z.B. Faulheit). Die Berufung auf Farbenblindheit kann zudem eine bewusste oder unbewusste Ablenkungsstrategie sein, wenn auf institutionellen, strukturellen Rassismus oder Alltagsrassismus aufmerksam gemacht wird.

Siehe auch: White Tears, Weiße Zerbrechlichkeit (White Fragility), Essentialisierung, Gaslighting, Othering

Feminismus

Der Feminismus strebt nach einer Gesellschaft, in der Menschen, die als Frauen wahrgenommen werden auf allen Ebenen die gleichen Rechte, die gleiche Wertschätzung und die gleichen Chancen erhalten wie Männer. Dabei bezeichnet er sowohl eine politische und soziale Theorie, die gemachte Geschlechterdifferenzen und -ungerechtigkeiten in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen stellt, als auch eine soziale Bewegung, die für die Gleichstellung der Frauen und gegen das Patriarchat kämpft. Denen Begriff Feminismus gibt es seit dem 19. Jahrhundert, als Frauen, die damals noch um das Wahlrecht und ihre Anerkennung als politische Subjekte kämpften, begannen, sich selbst als Feministinnen zu bezeichnen. Den Kampf gibt es allerdings schon länger; seit der Aufklärung und den Bürgerrechtsbewegungen, die Frauen von vornherein ausschlossen. Heute wird der Begriff auch abwertend benutzt, wenn Frauen weiterhin auf männliche Privilegien und Vormachtstellungen hinweisen. Es geht und ging allerdings nie darum, Männer zu beherrschen oder zu unterdrücken, sondern darum, für die Gleichwertigkeit der Geschlechter einzutreten, die vielerorts immer noch nicht erreicht ist.

Siehe auch Antifeminismus, Gender und Sexismus

Flucht

Unfreiwillige, erzwungene Migration wird Flucht genannt. Binnenflucht bezeichnet dabei die Flucht innerhalb eines Landes. Die meisten geflohenen Menschen bleiben im Herkunfts- oder in den Nachbarländern. Nach internationalem Recht ist ein Flüchtling jemand, der aufgrund von staatlicher Verfolgung (etwa aufgrund der Religion, Nationalität oder Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe) sein oder ihr Land verlassen musste oder von der Regierung des Herkunftslandes keinen Schutz bei Verfolgung erwarten kann. Diese eng gefasste Definition wird oft kritisiert, weil auch Menschen, die bspw. aufgrund von extremer Armut oder Umweltkatastrophen ihr Land verlassen müssen, fliehen. Diese Art der Flucht wird oft nicht anerkannt und etwa als „Wirtschaftsmigration“ verharmlost. Begrifflichkeiten in diesem Themenfeld werden häufig genutzt, um die Migration von Menschen zu (de)legitimieren. Während bspw. bei Migration u.a. aus wirtschaftlichen Gründen innerhalb der EU von „Mobilität“ gesprochen und dieser Umstand positiv konnotiert wird, wird Migration aus wirtschaftlichen Gründen in die EU häufig als „Wirtschaftsflucht“ betitelt und damit implizit als ungerechtfertigt dargestellt.

Siehe auch Asyl

Fremdenfeindlichkeit

„Fremdenfeindlichkeit” ist ein sozialpsychologisches Konzept und wird als Dimension Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit betrachtet. Es bezeichnet eine ablehnende Haltung und Verhaltensweise gegenüber Menschen, denen eine nicht-deutsche Nationalität oder Ethnizität, eine nicht-christliche Religion bzw. Sozialisation oder eine nicht-weiße Hautfarbe zugeschrieben wird oder eine solche haben. Aufgrund dieser Eigenschaften und Merkmale werden sie als fremd und bedrohlich wahrgenommen, benachteiligt, angefeindet oder tätlich angegriffen.

Aus rassismuskritischer Perspektive wird der Begriff kritisiert und stattdessen von Rassismus gesprochen, z. B. weil die von „Fremdenfeindlichkeit“ Betroffenen auch deutsche Staatsangehörige sein können. Die Verwendung des Begriffs wäre in diesem Fall selbst rassistisch.

Siehe auch Othering und Rassifizierung