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Ausbeutung

Ausbeutung bezeichnet in der marxistischen Theorie die Aneignung von Mehrwert durch die herrschende Klasse. Der Mehrwert ist der Wert, den Arbeiter:innen in der Mehrarbeitszeit erwirtschaften. Das ist die Zeit, die über die Arbeitszeit hinausgeht, die notwendig wäre, um den Wert zu produzieren, den sie für die Deckung ihres Lebensunterhalts und die Wiederherstellung ihrer Arbeitskraft brauchen. Ausbeutung wird in der marxistischen Theorie als analytischer – nicht als moralischer – Begriff verwendet, da sie aus der Logik von Klassengesellschaften und im Besonderen aus der Logik des Kapitalismus folgt: Denn Unternehmer:innen sind gezwungen, Kapital zu erwirtschaften. Daher ist die klassenspezifische Ausbeutung ein Teil des Kapitalismus.

Ausbeutung bezieht sich neben der kapitalistischen Produktion auch auf Systeme der Sklaverei. Auch Staaten und Völker können von Ausbeutung betroffen sein. Im Kolonialismus erbeuteten die Kolonialstaaten die Rohstoffe, Ressourcen und Arbeitskräfte anderer Nationen und sicherten sich so Wohlstand und Reichtum. Moderne Dependenztheorien kritisieren das bis heute andauernde Fortbestehen dieser Ausbeutungsverhältnisse.

Ausbeutungsverhältnissen liegt ein Machtunterschied zwischen Ausbeutenden und Ausgebeuteten zugrunde. Da dieser Machtunterschied gerechtfertigt werden muss, ist Ausbeutung immer mit Erscheinungsformen von Macht und Herrschaft wie z. B. Rassismus (z. B. die Überrepräsentation von BIPoC* in wenig qualifizierten Tätigkeiten) oder Sexismus (z. B. die Überrepräsentation von Frauen im Bereich der Familien- und Sorgearbeit) verbunden. Für die weiße US-amerikanische Politikwissenschaftlerin Iris Marion Young stellt Ausbeutung eine der fünf Formen der Unterdrückung (im Sinne von struktureller Diskriminierung) dar, die Young als je eigenständige Kennzeichen struktureller Diskriminierung deutet.

Siehe auch Gewalt, Kulturimperialismus, Machtlosigkeit und Marginalisierung.